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Rembrandt zurück in Den Haag

29. November 2022 bis 29. Januar 2023

Ein lange Zeit verschollenes Selbstporträt Rembrandts ist nach Hause zurückgekehrt: seit dem 29. November 2022 hängt es in dem Gebäude, das das Museum »Escher im Palast« beherbergt, und damit an dem Ort, wo es auch schon von 1850 bis 1894 daheim war, als dort Prinz Hendrik wohnte, der Sohn König Wilhelms II. Seit 1898, also mittlerweile fast 125 Jahre, ist das Gemälde nicht mehr in den Niederlanden zu sehen gewesen, seit 1967 war es für die Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr zugänglich. Das Gemälde erhält jetzt einen besonderen Platz zwischen den berühmten Selbstporträts des niederländischen Grafikkünstlers M. C. Escher, dessen Werk seit 2002 in diesem Palais ausgestellt wird. Das Rembrandt’sche Selbstbildnis ist hier bis einschließlich 29. Januar 2023 zu sehen.

Eine bewegte Geschichte

Den Anlass für dieses besondere Ereignis bilden neue Forschungsergebnisse zur Geschichte dieses Gemäldes, die der Rembrandt-Spezialist Gary Schwartz zusammengetragen hat. Schwartz nutzte für seine Arbeit zahlreiche bislang unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv des niederländischen Königshauses und der National Gallery of Art in Washington, aus Archiven amerikanischer und deutscher Behörden und deutscher Gerichte sowie die Privatkorrespondenz zwischen Erbgroßherzogin Elisabeth von Sachsen-Weimar und dem deutsch-amerikanischen Rembrandt-Kenner Jakob Rosenberg. In seinem Buch »Rembrandt met rode baret – De wilde avonturen van een bezadigd zelfportret« beschreibt Schwartz das aufregende Schicksal dieses bedeutenden Kunstwerks.

Das Bild hat eine bewegte Geschichte. 1823 erwarb es der spätere König Wilhelm II. (1792–1849). 1839 kam es von Brüssel nach Den Haag, wo es ab 1842 im neuen Gotischen Saal des ganz in der Nähe seines Palais gelegenen Palais Kneuterdijk hing. Nach dem Tod Wilhelms II. wurde dessen erlesene Gemäldesammlung 1850 versteigert. Nachdem das Gemälde den Besitzer gewechselt hatte, brauchte es nicht weit zu reisen: es zog in das Palais Lange Voorhout (heute: Museum Escher im Palast) um, das sich damals im Besitz von Wilhelm Friedrich Heinrich (1820–1879), genannt der Seefahrer, befand. Hier verblieb das Werk mindestens 35 Jahre, höchstwahrscheinlich sogar 44 Jahre.

Die weitere Geschichte des Gemäldes liest sich wie ein Krimi. Im Zuge der Vererbung innerhalb der königlichen Familie an Heinrichs Schwester, Prinzessin Sophie (1824–1897), fand das Werk in Weimar ein neues Zuhause, wo Sophie Großherzogin war. Dort hing es im Weimarer Museum, aus dem es 1921 gestohlen wurde. Viele Jahre war sein Verbleib unbekannt, 1945 tauchte es dann plötzlich in Amerika auf.
Die amerikanischen Behörden beschlagnahmten das Selbstporträt und gaben es 1967 in der Erwartung an Deutschland zurück, dass es wieder in das Museum in Weimar zurückkehren sollte. Als es zurück in Deutschland war, meldete jedoch eine Erbin, Erbgroßherzogin Elisabeth von Sachsen-Weimar (1912–2010), Besitzansprüche an – mit Erfolg. Erneut verschwand das Porträt aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Bis heute, 55 Jahre später.

Rembrandt zugeschrieben

Bis 1969 bestand keinerlei Zweifel daran, dass es sich bei dem Porträt um einen Rembrandt handelt. Damals stellte der deutsch-niederländische Kunsthistoriker Horst Gerson den Gedanken in den Raum, dass es von Ferdinand Bol stammen oder in seinem Umfeld entstanden sein könnte. Wenngleich Schwartz zufolge kein einziger Bol-Experte sich dieser Sicht jemals angeschlossen hat, setzte sich das Rembrandt-Forschungsprojekt ernsthaft damit auseinander. In seiner Publikation entkräftet Schwartz jetzt alle Argumente, die diese Position stützen sollen. Gary Schwartz: »Zweifel an der Urheberschaft des Gemäldes wurden durch die Beschädigungen begünstigt, die das Selbstporträt nach dem Diebstahl in Weimar erlitten hatte. Unsachgemäß ausgeführte Übermalungen vermittelten einen falschen Eindruck von der Qualität des Werks. Neue, umfassende technologische Untersuchungen des renommierten Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft in Zürich haben ergeben, dass lediglich das Gesicht von der Hand des ursprünglichen Malers stammt. Wenn man sich dieses Gesicht aber ansieht, wird man schwerlich zu einem anderen Ergebnis kommen können, als dass es sich um ein Selbstporträt des Meisters handelt.«